Mein Stiefvater Otto Anton Reitzl ist im 97. Lebensjahr und malt seit 1944. Im Frühjahr 2026 stand wieder eine große Werkschau an — die Studiengalerie im Stadthaus Klagenfurt, sieben Tage, eine geschlossene Retrospektive unter einem Titel. Für mich war das mehr als ein Familienanlass: es war der Auftrag, das Lebenswerk eines Künstlers digital so zu fassen, dass es die Vernissage überdauert. Das Projekt heißt ottoreitzl.at, und es ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir bei Strelle Kunst und Kultur unterstützen — nicht mit Sponsoring, sondern mit der digitalen Infrastruktur, die Kunstwerke heute genauso brauchen wie Rahmen und Licht.
97 Jahre, sieben Jahrzehnte, ein erstes Mal
Otto wurde 1929 in Wien geboren, kam 1939 nach Klagenfurt. Der Krieg verhinderte das Kunststudium, aus dem geplanten Akademieweg wurde ein autodidaktischer — leise, hartnäckig, über Jahrzehnte. Hauptberuflich Lehrer, dann Professor an der Pädagogischen Akademie, parallel immer Maler. Nach dem Tod seiner Frau kehrte er voll zur Malerei zurück: Serien zum Jugoslawienkrieg, Frauenbildern, Antike, Porträts, Mythen. 255 dokumentierte Arbeiten, vom Aktstudium der Lehramtszeit bis zu großformatigen Acrylbildern der letzten Jahre.
Ausstellungen hat es viele gegeben — Kunstverein Velden seit 1995, Volksbank-Galerie, Stadthaus Klagenfurt im Rahmen der Langen Nacht der Museen über zwei Jahrzehnte, Stadthalle Ferlach, Schloß Albeck, Bildstock-Restaurierungen in Ferlach und Grafenstein. Was es so noch nicht gab: eine geschlossene digitale Quelle, die seine 255 Arbeiten kuratiert, durchsuchbar und teilbar macht und sieben Jahrzehnte unter einem zugänglichen Dach versammelt. Das war für uns als Strelle das „erste Mal”.
Die Vernissage: 2. Juni 2026, Studiengalerie Stadthaus Klagenfurt
Bürgermeister Christian Scheider eröffnete am 2. Juni die Einzelausstellung „Die Frau in der Zeit” in der Studiengalerie des Stadthauses — eine Werkschau aus sieben Jahrzehnten mit Frauenbildern, Porträts und mythologischen Kompositionen. Voll besetzter Saal, Otto am Mikrofon, später ein langer Abend mit Gesprächen vor den Bildern. Die offizielle Pressemeldung der Stadt Klagenfurt liegt als PDF auf der Site, die ganze Bilderstrecke aus dem Familienarchiv ist in der Highlights-Galerie auf ottoreitzl.at hinterlegt.
Das Konzept: Werkkatalog, Pressehaus und Galerie in einem
ottoreitzl.at ist von Beginn an als mehrschichtige Künstler-Homepage gedacht. Vier Schichten, die ineinandergreifen:
- Werkkatalog — alle 255 Werke mit Kategorie, Serie, Jahrzehnt-Filter und Werk-Detailseiten.
- Werkverzeichnis als PDF — ein klassisch gesetzter, blätterbarer Katalog mit Coverbild, Inventarnummer und Metadaten zu jedem Werk.
- Galerie- und Ausstellungsarchiv — fünf Ausstellungen aus dem Familienarchiv samt Captions, von der Stadthaus-Gewölbegalerie 2006 über die Sakralkunst-Bildstöcke bis zur Vernissage 2026.
- Pressehaus — Pressemappe-PDF, Pressetexte, Headlines, Werkverzeichnis-Links, Direktdownloads.
Die zentrale Designentscheidung: alles unter einer Domain, keine externen Plattformen, kein Profil-bei-Drittem. Wer in Jahren noch nach Otto sucht, soll auf eine eigenständige Quelle treffen — und nicht auf einen verwaisten Instagram-Account.
Die Funktionen im Überblick
Was die Site heute kann (und warum sie das können muss):
- Werkkatalog mit Filter (
/werkverzeichnis) — exklusive Filter nach Kategorie, Serie, Jahrzehnt, plus Volltextsuche. Klick auf ein Werk öffnet eine Detailseite mit Bild, Titel, Jahr, Technik, Maßen, Serie, Inventarnummer und — wo zutreffend — der „Permanenter Standort”-Angabe (z. B. die Intim-Serie W-209–W-214, die dauerhaft im Powerpoint Klagenfurt hängt, samt verlinktem Standort). - PDF-Werkverzeichnis (
/katalog) — pdf.js-Viewer mit eingebettetem Katalog, blätterbar, gegen Hotlink geschützt, druckfertig. Wird aus einem Python-Build-Skript erzeugt, das aus derworks.jsonund den Originalbildern automatisch ein klassisch gesetztes Verzeichnis baut. - Schutz vor Bildklau — Originale liegen serverseitig in einem .htaccess-geschützten Verzeichnis, Web-Versionen sind unsichtbar wasserzeichen-gestempelt. Ein PHP-Skript erzeugt die Web-Versionen automatisch nach Upload.
- Highlights-Galerie — Modale Bildersträge mit Captions, Werk-Verlinkungen direkt aus den Captions heraus und Presse-/Ausstellungslinks.
- Mehrsprachigkeit — Deutsch und Englisch, durchgehend in den Captions, Biografie und Werkmetadaten.
- Social-Sharing-Pattern — jede Werk-Detailseite und die Vernissage-Einladung haben eigene Open-Graph-Tags und Schema.org-Markups (
VisualArtwork,VisualArtsEvent). Die OG-Bilder werden dynamisch via PHP-GD pro Werk gerendert (1200×630-Card, Werk-Bild + editorialer Text + Reitzl-Rot-Akzent), gecacht und mit Mtime-Versionierung ausgeliefert. - Cache-Strategie mit Versions-Hash auf jedem Asset-URL plus harten HTML/PHP-No-Cache-Headern — damit Margret (siehe unten) ihre Edits auf jedem Gerät sofort sieht, auch in Safari, auch im BFCache.
Eine Timeline, die nicht endet
Ein eigenes Kapitel auf der Site ist der Werdegang — eine vertikale Timeline mit allen Etappen von der Geburt 1929 bis zur Vernissage 2026. Jeder Punkt mit Datum, Ort, ein paar Sätzen Kontext und Belegen — die Vereinsgeschichte ist mit Originalquellen (Kunstverein Velden, Outdooractive-Stadthaus-Eintrag) verlinkt.
Diese Timeline ist mehr als ein „Über uns” — sie ist die Klammer um den Werkkatalog. Ein Werk aus 1949 bekommt durch sie einen Rahmen (Lehramtszeit Techelsberg, Wohnung im Schulgebäude), eine Sakralkunst-Arbeit aus 1989 wird kontextuell verknüpft mit der Restaurierung 2010. Das macht aus einer Bildersammlung ein erzählbares Leben.
Werdegang · 1929 – 2026
1929 · Geburt in Wien
Geboren am 6. Juli in Wien. Kindheit in Untermiete, Spiele im Park von Schloss Schönbrunn.
1939 · Übersiedlung nach Klagenfurt
Die Heimatstadt der Mutter wird zur künstlerischen Heimat.
1944 · Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt
Aufnahme als Student. Parallel Violine am Konservatorium — zwischen Bleistift, Bogen und Krieg.
1949 · Matura und Lehramt
Lehramtszeugnis für Volksschule. Beginn der Arbeit an der Volksschule Techelsberg — Wohnung im Schulgebäude.
1957 · Familie · Hauptschule Velden
Anstellung an der Hauptschule Velden. Geburt der Tochter. Autodidaktische Vertiefung in Kunstgeschichte.
1969 · Pädagogische Akademie Klagenfurt
Berufung an die Übungsschule der Akademie. Professor für bildnerisches Gestalten und Musik.
1990 · Pensionierung
Volle Rückkehr zur künstlerischen Praxis. Aktzeichnungen, Ölbilder, Acryl. Malergemeinschaften Hollersbach, Strobl, Innsbruck.
1994 – 1995 · Mitbegründer Kunstverein Velden
Konstituierende Generalversammlung am 26. Juni 1995 im Golf-Parkhotel Velden — Obmann-Stellvertreter des ersten Vorstands.
ab 1995 · Bankgalerien Velden
Beteiligung an 12 Ausstellungen in der Raiffeisenbank Velden (1995–1997) sowie 68 Ausstellungen der Volksbank-Galerie Velden (ab 1998), bis 2013 folgen weitere 84.
ab 2004 · Stadthaus Klagenfurt · Lange Nacht der Museen
Jährliche Beteiligung an der Langen Nacht der Museen im Stadthaus Klagenfurt (Gewölbe- und Studiogalerie) und im Europahaus.
2009 · Stadthalle Ferlach · Vernissage & Finissage
Vernissage am 8. Oktober mit jugendlichen Saxophonisten, Finissage am 18. Oktober als Lesungsabend mit Dr. Walter Kraxner.
1989 · 2010 · Sakralkunst · Bildstöcke
Erstbemalung 1989 (Ferlach) bzw. 1990 (Grafenstein), Restaurierungen 2010 — Motive zeigen jeweils in die Himmelsrichtung der nächsten geweihten Kirche.
2026 · Studiengalerie Stadthaus Klagenfurt
Einzelausstellung „Die Frau in der Zeit”, 2. – 8. Juni — Werkschau aus sieben Jahrzehnten Malerei.
Werkverzeichnis & Katalog — das Gegenstück zum QR-Code im Saal
Im Stadthaus Klagenfurt hingen während der Werkschau neben jedem Bild Beschreibungskarten, generiert direkt aus dem Admin der Site heraus: Titel, Jahr, Technik, Maße, Inventarnummer — und unten ein QR-Code, der direkt auf die Werk-Detailseite zeigt (/werk/W-XXX). Wer im Saal vor einem Bild stand, hatte mit einem Tap das volle Datenblatt am Telefon, konnte lesen, in welche Serie es gehört, ob es ein Geschwisterbild gibt, was über die Maltechnik bekannt ist.
Der Werkkatalog (PDF) und der QR-Code sind das Gegenstück zueinander: der Katalog liefert die kuratierte, gesetzte Übersicht zum Mitnehmen — der QR-Code liefert den einen Sprung von der Wand zum Detail. Beides wird aus derselben Quelle gespeist (works.json), beides ist immer im Einklang. Wenn Margret im Admin den Titel eines Werks korrigiert, ändert sich die Werk-Seite sofort, der QR-Code zeigt schon Sekunden später auf den neuen Stand, und der nächste Katalog-Build greift die Korrektur mit.
Beschreibungskarten direkt aus dem Admin
Genau das ist der Trick. Margret Reitzl — Ottos Tochter — pflegt das gesamte Werkverzeichnis selbst aus dem Admin auf dem Server heraus. Sie legt neue Werke an, lädt Originalbilder hoch, beschriftet Serien, korrigiert Maße, ergänzt Standort-Angaben. Dasselbe Tool produziert daraus die A6-Beschreibungskarten zum Aufkleben in der Galerie: ein PDF-Druck-Layout, optimiert für den Briefträger der Studiengalerie, mit allen relevanten Werk-Metadaten und dem QR-Code in der unteren Ecke. Druck, schneiden, kleben — fertig.
Das Konzept dahinter: eine kanonische Quelle, viele Ausgaben. Die works.json ist die Wahrheit. Daraus baut sich der Online-Katalog, das PDF-Werkverzeichnis, die Beschreibungskarten, die OG-Sharing-Bilder, die Druckabzüge fürs Familienarchiv. Wer einmal an einer Stelle pflegt, pflegt überall.
Warum Strelle das macht
Otto ist mein Stiefvater — der persönliche Anlass ist klar. Aber die Mechanik dahinter ist eine Geschäftshaltung der Strelle GmbH, nicht eine Familiengeschichte. Wir leben in einer Region, in der viele Künstler:innen, Vereine, Kulturschaffende ähnliche Probleme haben: ein Lebenswerk, das schwer zu archivieren ist; eine Vernissage, die nach drei Tagen wieder vergessen ist; eine Pressemeldung, die nirgendwo dauerhaft auffindbar bleibt; ein Werkverzeichnis als unsortierter Ordner mit Fotos auf der Festplatte.
Wir können das. Wir bauen seit Jahren digitale Infrastruktur für Kunden — und wir setzen einen Teil unserer Entwicklungszeit immer dafür ein, mit kulturellen Projekten zu arbeiten, bei denen die Wirkung über das einzelne Event hinausgeht: ein Werkkatalog, der in zehn Jahren noch genauso recherchierbar ist. Eine Timeline, die jedem Werk Kontext gibt. Ein OG-Bild, das eine Vernissage in den Social-Media-Streams aus der Anonymität holt. Das ist die Form von Kulturförderung, die wir am besten leisten können.
Wer also als Verein, Künstler:in oder Kulturinitiative überlegt, wie das eigene Schaffen digital sichtbar werden soll — ohne sich an Drittplattformen zu verlieren — der ist beim richtigen Studio. Eine kurze Anfrage genügt.
Backlinks für zeitlose Kunst — vom Pressetext zurück zur Quelle
Der letzte und vielleicht unterschätzteste Teil ist die Linkstrategie für Pressearbeit. Eine Pressemeldung, die nur ein Datum, einen Ort und ein Statement enthält, wird in ein, zwei Jahren niemand mehr finden. Eine Pressemeldung, die aus einem Pressehaus heraus erstellt wird, in dem zu jedem Werk, jeder Serie, jeder Lebensetappe eine eigene URL existiert — die hinterlässt Backlinks zur Quelle.
Wenn die Stadt Klagenfurt in ihrer offiziellen Aussendung „Die Frau in der Zeit” erwähnt, verlinkt der Text auf /galerie/klagenfurt-vernissage-2026. Wenn ein Kunstmagazin später ein Werk dieser Serie bespricht, verlinkt es auf /werk/W-XXX. Wenn ein Volksschullehrer in zehn Jahren eine Unterrichtseinheit zum Thema „Frauenbilder österreichischer Maler nach 1945” zusammenstellt, findet er die Werke über Suchmaschinen, weil die einzelnen Werkseiten Schema.org-Markup tragen und in den Indizes auftauchen.
Genau diese Mechanik macht aus einem temporären Ereignis (eine Vernissage) eine dauerhaft adressierbare Kunstgeschichte. Jede Pressemeldung ist eine Gelegenheit, eine Spur zurück zur kanonischen Quelle zu legen. Jeder Backlink ist ein Versprechen an die Zukunft, dass dieses Werk in zehn Jahren noch unter einer eigenen URL erreichbar ist.
Schluss
Die Ausstellung im Stadthaus war vom 2. bis 8. Juni 2026 zu sehen — die Vitrinen sind längst leer, die Beschreibungskarten abgenommen, die Bilder zurück im Atelier. Was bleibt, ist die Site. Otto hat sieben Jahrzehnte gemalt, ohne jemals eine eigene Homepage gebraucht zu haben — und doch ist das jetzt das Werkzeug, das sein Lebenswerk für die nächste Generation auffindbar macht. Ein paar Domains, ein paar Skripte, ein gut gesetzter Katalog, ein QR-Code im Saal, ein Highlights-Archiv, ein paar verlinkbare Werkseiten.
Wenn das Kulturförderung sein darf, ist das die Form, die wir am liebsten leisten: Infrastruktur, die hält. Schau dir das Werk gerne in Ruhe an: ottoreitzl.at — und falls dich die technische Seite interessiert oder du selbst ein ähnliches Projekt im Kopf hast: reden wir darüber.