Drei Stockwerke Galerie, Marmor-Säulen, ein riesiges Glasdach, denkmalgeschützte Stuckdecken — und mittendrin: ein Stehpult, ein Mikro, ein paar Funkstrecken. Das Atrium des kärnten.museum in Klagenfurt ist keine Veranstaltungshalle. Es ist ein Innenhof, der irgendwann auf die Idee gekommen ist, auch Theater zu können. Genau dort kuratiert Christian Hölbling eine Reihe rund um die Sonderausstellung „AUFBRUCH! Kärnten ↔ Steiermark” — vier Abende unter dem satirischen Titel „Kernöl trifft Kasnudl”, der den Koralm-Tunnel zwischen Graz und Klagenfurt im Mund hat.
Lesung mit Schauspieler, Solo-Kabarett, Improtheater, Satire mit Saxophon. Vier Formate, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Eine Location, die für keines davon gebaut wurde. Und ich darf bei allen vier Abenden Licht und Ton machen.
Die vier Abende auf einen Blick
22. Jänner 2026 — Johannes Silberschneider & Stub’n Tschäss
Auftakt der Reihe — und der erste Abend, an dem das Atrium zur Bühne wird. Johannes Silberschneider, geboren 1958 in Mautern in der Steiermark, ausgebildet am Max Reinhardt Seminar Wien — ein Schauspieler, dessen Stimme du aus dem Theater in der Josefstadt kennst, aus „Die rote Violine”, aus „Mahler auf der Couch”. Für den Atrium-Abend bringt er eine andere Tonlage mit: Lesung, leise, mit Dialekt im Mundwerk und einem Auge auf Pointe und Pause.
Dazu die Band Stub’n Tschäss — Kurt Gober (Austropop-Legende), Klaus Ambrosch und Chris Seiner. Jazz-Standards und Rock ‘n’ Roll der 1950er, akustisch, nah am Publikum, mit viel Augenzwinkern zwischen den Stücken. Eine Konstellation, die sonst in steirischen Kulturhäusern auftritt — und jetzt erstmals in dieser Form im Klagenfurter Atrium.
Künstler & Quellen:
- Johannes Silberschneider — Theater in der Josefstadt
- Johannes Silberschneider — Wikipedia
- Termin-Info Silberschneider & Stub’n Tschäss (Kärnten Werbung)

5. März 2026 — Christian Hölbling: „Der Wechselseitige”
Solo-Kabarett-Premiere. Hölbling ist Steirer, lebt seit 2001 in Klagenfurt — der Koralm-Tunnel ist für ihn nicht Metapher, sondern persönliche Biografie. Sein neues Solo verhandelt Herkunft, Identität, Gentests, Erzherzog-Johann-Darsteller-Dasein und Wörthersee-Schickeria. Co-Autorin und Regie: Maria Weichesmüller.
Künstler & Quellen:
- Homepage: christianhoelbling.com
- Biografie im Österreichischen Kabarettarchiv
- Wikipedia

28. Mai 2026 — Theater im Bahnhof Graz: „Tunnelblick”
Improtheater. Das größte freie professionelle Theaterensemble Österreichs, 1989 in Graz gegründet, aus dessen Reihen Michael Ostrowski und Pia Hierzegger zu Prominenz aufgestiegen sind. „Tunnelblick” ist ein improvisierter Abend, inspiriert von der neuen Zugverbindung Graz–Klagenfurt: ohne Probe, ohne Textvorlage, nur Vorgaben aus dem Publikum. Figuren, Szenen, sogar Lieder — alles entsteht im Moment.
Ensemble & Quellen:

10. September 2026 — Antonio Fian & Wolfgang Puschnig: „Wo die Gugguhondschn blian”
Satire trifft Jazz-Saxophon. Antonio Fian — geboren 1956 in Klagenfurt, lebt in Wien — ist der Mann der Dramolette, der Standard-Kolumnist, einer der scharfzüngigsten Beobachter österreichischer Politik. Wolfgang Puschnig — Klagenfurter Jahrgang 1956, Gründungsmitglied des Vienna Art Orchestra, Professor an der mdw Wien, Kulturpreisträger des Landes Kärnten 2022 — ist eine der prägenden Stimmen des europäischen Jazz, bekannt für seine Crossover-Projekte zwischen Jazz und alpiner Volksmusik. Die beiden tun sich zum ersten Mal zusammen: ein musikalisch-literarisches Porträt eines österreichischen Bundeslandes.
Das wird der Abend, an dem ein Tenor-Saxophon im Atrium klingt — und das heißt: andere Mikrofonierung, andere Monitor-Welt, andere Hall-Disziplin als bei den beiden Sprech-Abenden davor.
Künstler & Quellen:
- Antonio Fian: Wikipedia
- Wolfgang Puschnig: puschnig.com · Wikipedia (EN)
- Termin & Tickets (kultur.net)
Was an der Location schwierig ist
Das Atrium hat alles, was eine Veranstaltungshalle eigentlich nicht haben sollte. Marmor-Boden, der jeden Schritt zurückwirft. Hohe Decken, die Bass-Frequenzen verschmieren. Säulen, die in der Sichtachse zur Bühne stehen, je nachdem, wo das Publikum sitzt. Keine Truss-Punkte über den Köpfen — wer Licht hängen will, muss kreativ werden, denn ins Denkmal wird nicht gebohrt. Keine fixe PA, keine permanente Verkabelung, keine eingerichtete Bühne. Jeder Aufbau ist ein Neuanfang.
Dazu kommen vier sehr unterschiedliche Bedarfsprofile:
- Lesung mit Schellack-Musik: ein Vorleser, drei akustische Instrumente, viel feiner Pegel. Da entscheidet die Disziplin am Mischpult, nicht die Lautstärke.
- Solo-Kabarett: ein Sprecher, eine Verstärkung, Licht-Stimmungen, die die Pointe atmen lassen, ohne sie zu überfahren. QLab im Hintergrund für Sound-Cues und Lichtwechsel.
- Improtheater: keine Probe, keine Textvorlage, also auch kein vorgeschriebenes Lichtbuch. Hand am Fader, Augen auf der Bühne. Mitspielen, nicht bedienen.
- Satire & Jazz: Saxophon und Sprechstimme im selben Raum balancieren, ohne dass die eine die andere zudeckt. Niedrige Bühnenlautstärke, präzise Mikrofonpositionen, weicher Saalklang.
Wie ich das mache

Erstens: drahtloses Licht. Funkstrecken im DMX-Universum „Aurora” auf CRMX/LumenRadio — bedeutet konkret, dass jedes Lichtgerät dort steht, wo es Sinn macht, ohne dass quer durchs Atrium ein Kabel gezogen werden muss. Keine Bohrungen, keine Klebebänder auf historischem Boden, keine Stolperfallen für das Publikum. Aufbau-Zeit und Aufräum-Zeit beide deutlich kürzer als mit klassischer Verkabelung.

Zweitens: punktuelle PA statt Frontal-Beschallung. Statt einer einzigen großen Lautsprecher-Box vorne, die das ganze Atrium beschallt (und an den Wänden zurückspringt), arbeite ich mit mehreren kleinen Quellen, die nah am Publikum sitzen. Weniger Lautstärke, mehr Verständlichkeit, weniger Hall.
Drittens: QLab als Cue-Maschine. Sound-Files, Musik-Einspielungen, Lichtszenen, alles auf Knopfdruck synchron — der Show-Computer, der den Abend zusammenhält. Bei Hölbling fix programmiert, beim Improtheater nur als Werkzeugkiste vorbereitet (welches Cue gerufen wird, entscheidet sich live).
Viertens: Atmosphäre über Farbe. Das Atrium hat eine Architektur, die Licht braucht, um zu wirken. Lila, grün, blau, rot, warmes Weiß — die Säulen werden zur Bühnen-Rückwand, ohne dass eine eingebaut werden muss.
Und fünftens — das, was am Ende den Unterschied macht und worüber im Saalplan nichts steht: ich hänge für jeden Abend dezent Stoff. An der richtigen Stelle, in der richtigen Menge. Der Saal verliert seine schärfsten Kanten, ohne dass jemand merkt, was sich geändert hat. Es sieht aus wie vorher, klingt aber wie eine ganz andere Halle. Welche Stoffe wo und warum — das bleibt unter uns.
Was bleibt

Kultur-Locations, die nicht für Veranstaltungen gebaut wurden, brauchen Technik, die sich der Architektur anpasst, statt sich gegen sie zu stemmen. Vier sehr unterschiedliche Abende in derselben schwierigen Halle, jeden mit eigenem Bedarfsprofil — das ist das beste Training für genau diese Anpassungsfähigkeit. Wenn das Equipment leise, drahtlos und schnell ist und der Raum vorher ein paar unauffällige Hilfen bekommt, kann das Setup den Künstler:innen den Raum lassen, in dem sie wirklich gut sind — und der Saal wirkt am Ende größer und schöner, als er auf den ersten Blick aussieht.
Wenn du eine Veranstaltung in einer Location planst, die nicht dafür gebaut ist — Schloss, Galerie, Museum, Bahnhofshalle, Kirche — meld dich. Ich begleite die Technik, damit der Saal und die Künstler:innen klingen, wie sie sollen.